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Mit künstlichem Knie in die Berge

Eine Knieprothese bedeutet nicht das Ende sportlicher Aktivität. Im Gegenteil: Die optimal angepasste Prothese sowie die Physiotherapie nach der Operation schaffen die Basis, um wieder in den Bergen wandern zu können. Eine im Sommer 2015 durchgeführte Studie zeigt, dass Wandern die funktionalen Fähigkeiten sowie die Lebensqualität von Patienten mit Knieprothesen sogar deutlich verbessert.

Rückkehr zur Aktivität

Die steigende Lebenserwartung und ein erhöhtes Aktivitätsniveau im fortgeschrittenen Alter führen zu einem enormen Anstieg der jährlich implantierten Knie-Totalendoprothesen (Knie-TEPs). Im Zeitraum von 2000 bis 2013 hat sich die Zahl verdoppelt. Während früher das vorrangige Ziel einer Knie-TEP die Schmerzfreiheit war, so ist heutzutage der Erhalt bzw. die Rückkehr zur Aktivität für viele Patienten mindestens ebenso wichtig. Es hängt von zahlreichen Faktoren ab, in welchem Ausmaß die sportliche Aktivität nach einer Knie-TEP möglich ist. Grundvoraussetzung dafür ist eine exakte Operationstechnik mit einem Implantat, das den modernsten Ansprüchen genügt und langlebig ist. Die nach der Operation durchgeführte Physiotherapie, bei der Beweglichkeit, Kraft und Koordination im Fokus stehen, schafft die Basis für sportliche Aktivität. Auch die bisherige Erfahrung des Patienten in seiner Sportart hat einen wesentlichen Einfluss auf das künftige Aktivitätsniveau. Ein moderates Maß ist in jeder Sportart anzustreben.

Es gibt Empfehlungen der Knee Society, der internationalen Knie-Gesellschaft, aus dem Jahr 1999, welche Sportarten Patienten mit einer Knie-TEP ohne Bedenken ausüben dürfen, nämlich u.a. Radfahren, Schwimmen und Golf. Auf dieser Basis und unter Berücksichtigung der individuellen Lebenssituation und des Allgemeinzustands seines Patienten stimmt der Arzt die Empfehlungen individuell auf die spezielle Situation ab. Bisher wurden viele Entscheidungen auf Grund von Erfahrungswerten getroffen, Studie können diese Erfahrungswerte nun auch wissenschaftlich belegen.

So zeigt eine von verschiedenen internationalen Forschungsgruppen im Jahr 2012 durchgeführte wissenschaftliche Studie viele positive Effekte des Skifahrens hinsichtlich Koordination, Kraftaufbau, Wohlbefinden und Schmerzempfinden. Auch ergab die Studie, dass Stürze und Verletzungen von Patienten mit Knie-TEPs beim Skifahren eine Seltenheit darstellen. Vielmehr schützen eine verbesserte Muskelkraft und eine bessere Koordination vor Unfällen im täglichen Leben.

Wandern unter der Lupe – die Studie

Bei Patienten mit künstlichen Kniegelenken zählt Wandern zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Im Sommer 2015 wurde erstmals eine Studie durchgeführt, um Auswirkungen des Wanderns auf die funktionalen Fähigkeiten, auf die Lebensqualität sowie auf die Kraft der Oberschenkelmuskulatur zu untersuchen.

Insgesamt 50 Patienten im Alter zwischen 55 und 75 Jahren mit einer Knie-TEP nahmen an der Studie teil. 25 Patienten (Wandergruppe) wanderten über einen Zeitraum von zwölf Wochen zwei- bis dreimal wöchentlich, bis insgesamt 25 Wandertage absolviert wurden. Während dieser Zeit ging eine zweite Gruppe (Kontrollgruppe) den Aktivitäten des alltäglichen Lebens nach. Die Kontrollgruppe durfte während diesen zwölf Wochen nicht wandern. Bei den Touren rund um Innsbruck legten die Studienteilnehmer der Wandergruppe insgesamt 9.870 Höhenmeter und eine Distanz von 194 Kilometer zurück. Vorwiegend fanden die Wanderungen auf Schotter- und Waldwegen statt. Die Gruppe wurde von erfahrenen Wanderführern begleitet, um eine optimale Betreuung zu gewährleisten. Alle Teilnehmer der Wandergruppe verwendeten Wanderstöcke. Während der Wanderungen wurde mittels Pulsuhr auch die Herzfrequenz überwacht, um zu gewährleisten, dass sich die Studienteilnehmer nicht überanstrengen.

Bei den Studienteilnehmern beider Gruppen (Wander- und Kontrollgruppe) wurde an drei vereinbarten Terminen (Eingangstest = vor dem Wandern; Ausgangstest = direkt nach dem Wandern; Retentionstest = acht Wochen nach dem Wandern) verschiedene Tests und Untersuchungen durchgeführt. Neben Untersuchungen durch Ärzte und Tests zur Kraftmessung der Oberschenkelmuskulatur wurde beispielsweise ein „Treppensteigtest mit Zeitmessung“ durchgeführt. Bei diesem Test mussten die Studienteilnehmer so schnell und sicher wie möglich Treppen hinauf- bzw. hinuntergehen, während die Zeit gemessen wurde. Zusätzlich füllten die Patienten noch Fragebögen zu ihrer Befindlichkeit und Lebensqualität aus. Bei der Wandergruppe wurden auch noch ein Röntgen sowie eine internistische Untersuchung (vor Beginn der Wanderungen) durchgeführt.

Die Studie zeigte, dass die Wandergruppe bessere Ergebnisse beim Treppensteigtest erzielte als die Kontrollgruppe. Zusätzlich verbesserte sich die Lebensqualität bei der Wandergruppe. Die Ergebnisse der Kontrollgruppe blieben in etwa gleich.

Studienergebnisse

Die Studie belegt und bestätigt damit individuelle Erfahrungswerte: Wandern verbessert die funktionalen Fähigkeiten und die Lebensqualität von Patienten mit einer Knie-TEP – und dies hat wesentliche Auswirkungen auf das alltägliche Leben: „Wanderern“ gelingt das Treppensteigen mit Einkaufstaschen, die Hausarbeit oder auch das Einsteigen ins Auto und vieles mehr wesentlich schneller und leichter.